Freiwillige Feuerwehr Seestall e.V.

Aktuelles


Freiwillige Feuerwehr Seestall

Chronik 1880 - 2005

Zusammengestellt von
Dr. Walter u. Petra Reitler
Juni 2005

Vorgeschichte

Seit jeher werden Menschen und Ihr Besitz durch die zerstörerische Kraft des Feuers, sei es durch unachtsamen Umgang, durch Blitzschlag oder Selbstentzündung, bedroht. Natürlich versuchten auch immer Menschen mit mehr oder weniger großem Erfolg entstandene Brände zu bekämpfen und zu löschen.

Einen signifikanten Fortschritt in der Brandbekämpfung wurde durch den Einsatz von manuell angetriebenen Feuerspritzen erzielt. Bereits 1866, also relativ früh für eine kleine Ortschaft, erwarb die Gemeinde Seestall eine Druckspritze, 45 m Schläuche, 10 Stück Eimer, 2 Dachhaken und 1 Dachleiter und legte dadurch die Basis für eine „fortschrittliche“ Brandbekämpfung.

Gründungsphase

Die organisatorische Struktur folgte erst mit über 10jähriger Verspätung. Am 25. Dezember 1879 trafen sich 40 Seestaller Bürger und gründeten zum 1.1.1880 die „Freiwillige Feuerwehr Seestall“. Zum 1. Vorstand wurde der Zimmermann Andreas Fichtl, zum Kommandanten der Kalkbrenner Joseph Sailer, zum Schriftführer der Zimmererpolier Andreas Schrott und zum Kassier der Gastwirt Joseph Hofer gewählt. Als Mitgliedsbeitrag wurde vierteljährlich pro Mann ein Beitrag von 30 Pfennig erhoben. Der Distrikt Buchloe unterstützte die Gründung der freiwilligen Feuerwehr mit einem Zuschuss von 85 Mark.

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Gruppenbild der freiwilligen Feuerwehr Seestall vom 15. Januar 1912

Im Gründungsjahr zählte die Feuerwehr Seestall 58 Mitglieder, davon waren 33 Männer dem aktiven Dienst in der Spritzenabteilung, als Steiger oder Sanitäter zugeordnet. Die aktiven Feuerwehrleute erstreckten sich über alle Berufsgruppen, wie z.B. Müller, Zimmerer, Kalkrenner, Flößer, Ökonomen (Landwirte), Schuhmacher und Eisenbahnarbeiter. Neben Seestallern waren auch Männer der umliegenden Weiler und Einöden, wie Lechmühlen, Graßmühle und Römerkessel aktiv.

Über die Einnahmen aus Beiträgen, Zuschüssen und Spenden sowie über die Ausgaben wurde ab 1880 sorgfältig Buch geführt. So wurden die Einnahmen im wesentlichen für die Beschaffung von kleineren und mittleren Ausrüstungsgegenständen wie Schläuche, Signalhorn, Verbandsmaterial, Leitern etc. verwendet. Nicht verschwiegen werden soll, dass vor allem nach Brandeinsätzen oder Inspektionen schon auch mal flüssige Nahrungsmittel in nicht unerheblichen Mengen (bis zu 50 % der jährlichen Beitragseinnahmen) in der Buchführung belegt sind. Größere Investitionen wurden in der Regel nicht aus der Kasse der freiwilligen Feuerwehr bestritten. Als zum Beispiel 1884 eine neue Saugpumpe zu einem Preis von 500 Mark erworben wurde, gewährte die königliche Brandversicherungskammer einen Zuschuss in Höhe von 300 Mark. Der Differenzbetrag von 200 Mark wurde von der Gemeinde abgedeckt.

Brandeinsätze

Der erste große Brandeinsatz nach der Gründung war ein Brand in der Graßmühle im Jahr 1882. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte den Aufzeichnungen zu Folge mit Feuerrufen, Glockensignalen und Trompeten. Als die Seestaller Feuerwehr um 23.30 Uhr ca. 30 min nach Ausbruch des Feuers am Brandort ankam, brannte es bereits lichterloh. Mit Unterstützung der nach und nach einrückenden Feuerwehren aus Asch, Leeder, Oberdießen und Denklingen gelang es den insgesamt 167 Feuerwehrleuten unter Leitung des Ortskommandanten Joseph Sailer zumindest den größten Teil der Mehlmühle zu retten. Die Sägemühle, in der der Brand ausgebrochen war, brannte vollständig ab.

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Gottfried Schrott (hier mit Sohn) war 34 Jahre (1921 – 1955) Kommandant

Die Seestaller Feuerwehr kam in der Folgezeit bei nachstehenden Großbränden im Ort zum Einsatz:

20.10.1899 Lechmühlen – Hs. 48 Welz Georg
Totalbrand – Wohnung, Stall, Mehlmühle

22.01.1901 Seestall – Hs. 11 Mathias Bachauer
Totalbrand – Wohnhaus mit Ökonomiegebäude

07.11.1904 Hohenwarth – Joseph Welz
Totalbrand – Ökonomiestadel

01.07.1905 Seestall – Hs. 1 Babette Schweiger
Totalbrand – Scheune, Wohn- und Ökonomiegebäude

15.10.1924 Lechmühlen – Hs. 51
Totalbrand – Wohn- und Ökonomiegebäude

26.05.1929 Seestall – Hs. 5 Wiedemann
Totalbrand – Wohngebäude und Stall

23.10.1931 Seestall – Joseph Blöckner, Bäckerei (heute Gemeindehaus)
Totalbrand – Wohn- und Ökonomiegebäude

11.12.1931 Lechmühlen – Karl Frieß
Totalbrand – Sägewerk

Bei den aufgeführten Großbränden wurden die bezeichneten Anwesen oder wesentliche Teile davon jeweils komplett zerstört. In der Mehrzahl der überlieferten Brände gelang es der Seestaller Feuerwehr mit Unterstützung der Wehren der umliegenden Orte (ab 1923 auch Mundraching – Brückenbau!) jedoch in aller Regel das Feuer z.B. auf Scheune oder Ökonomiegebäude zu begrenzen und die Wohngebäude und benachbarte Häuser zu retten, obwohl häufig die Gebäude in denen das Feuer auftrat, bei Eintreffen der Feuerwehr schon lichterloh brannten.

Statistisch gesehen belegen die Unterlagen, das bis zum zweiten Weltkrieg in etwa jedes zweite Jahr ein Brand in Seestall oder den zugeordneten Weilern auftrat, also eine im Vergleich zu heute sehr hohe Zahl.

Inspektionen

In regelmäßigen Abständen (alle 2 – 3 Jahre) wurde von staatlicher Seite der Zustand der freiwilligen Feuerwehren inspiziert. Im Rahmen der Inspektionen mussten Schul- und Angriffsübungen vorgeführt werden, die Ausrüstung, die Mannschaftsstärke und die ordnungsgemäße Führung des Dienstbuches wurde überprüft und das Ergebnis schriftlich festgehalten. Aus den vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass der freiwilligen Feuerwehr Seestall in allen Inspektionen ein sehr gutes Urteil ausgestellt wurde. Ausnahmslos wird der gute Ausbildungsstand und die gute Motivation sowohl des jeweiligen Kommandanten wie auch der Feuerwehrleute gelobt.

Schwere Zeiten

Auch für die freiwillige Feuerwehr Seestall war die Zeit der beiden Weltkriege mit großen Schwierigkeiten verbunden. Wie in allen Gemeinden wurden viele aktive Feuerwehrleute zum Dienst an der Waffe gerufen, so dass die Einsatzbereitschaft nur schwer aufrechterhalten werden konnte. So wurden z.B. während des 1. Weltkrieges 1914 – 1918 von 47 Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr Seestall im Laufe der Kriegsjahre 37 eingezogen. Davon sind 8 gefallen und 3 wurden schwer verwundet.

Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 wurden die freiwilligen Feuerwehren auch politisch instrumentalisiert. So wurden die Feuerwehren auch in Bayern durch ein neues Gesetz über das Feuerlöschwesen als „Feuerlöschpolizei“ in die Polizei eingeführt. Unter anderem mussten z.B. nun auch Sammlungen für das Winterhilfswerk durchgeführt werden und es wurde dringend empfohlen, „dass jeder aktive Feuerwehrkamerad sich für Volk und Vaterland in allen Notlagen einsetzt und mindestens 20 Pfennige gibt“.

Auch während des 2. Weltkrieges war die Einsatzbereitschaft durch die vielen Einberufungen stark eingeschränkt. Obwohl die Mitgliederlisten aus dieser Zeit nur schwer auswertbar sind, ist davon auszugehen, dass mindestens 11 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Seestall in diesem Krieg gefallen sind oder als vermisst gemeldet wurden.

Aufbau und Modernisierung

Der Zeitraum 1945 – 1980 ist vor allem geprägt durch die technische und strukturelle Entwicklung. Bereits Ende 1945 erhielt die Seestaller Feuerwehr die erste Motorspritze aus Wehrmachtsbeständen, die die manuell betriebenen Spritzen endgültig ablöste. Mit dem Bau der gemeindlichen Wasserversorgung in 1957 verbesserte sich die Löschwasserversorgung in Seestall erheblich. Neben 4 Unterflurhydranten konnte die Feuerwehr auf einen zusätzlichen Löschwasserspeicher mit einem Volumen von 80 m3 zurückgreifen.

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Vor der Inspektion im Jahre 1961 mit dem Magirus LF 12

Das erste Feuerwehrauto wurde 1959 gebraucht von der Feuerwehr Landsberg erworben. Das durchaus imposante Löschfahrzeug vom Typ Magirus LF 12 mit Vorbaupumpe war jedoch für den flexiblen Einsatz im ländlichen Umfeld nur bedingt geeignet. In Folge des Erwerbes des Löschfahrzeuges wurde das alte Spritzenhäuschen (heute Garage Fritz Kratzer) zu klein. Deshalb wurde 1961 im Gemeindehaus ein Feuerwehrgeräteraum ausgebaut und ein Schlauchturm errichtet.

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Leistungsprüfung Stufe I am 25.05.1963 mit Kommandant Johann Heimer

Eine deutliche Verbesserung der Einsatzqualität konnte ab 1966 durch den Kauf einer neuen leistungsfähigen Tragkraftspritze erzielt werden. Als Einsatzfahrzeuge wurde zunächst ein VW Kombi und ab 1972 ein leistungsstärkerer Ford Transit in Eigenleistung auf die Bedürfnisse und gewachsenen Anforderungen umgebaut.

Vereinsgründung

Ein zentraler struktureller Meilenstein war die Entscheidung im Jahr 1973 die freiwillige Feuerwehr Seestall in Form eines Vereines zu organisieren. Zielstellung bei Gründung war zunächst über die Beiträge bis zum 100jährigen Gründungsjubiläum eine Vereinsfahne zu finanzieren. Durch den Einsatz der Vereinsmitglieder und durch großzügige Spenden von Bürgern und Geschäftsleuten konnte das angestrebte Vorhaben verwirklicht werden. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum der freiwilligen Feuerwehr Seestall vom 1. – 4. August 1980 konnte eine prächtige Vereinsfahne als Symbol der Kameradschaft und Hilfsbereitschaft geweiht werden. Höhepunkt war ein großer Festzug durch Seestall bei bestem Wetter.

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Gruppenbild mit der geweihten Fahne – 4. August 1980

Leider war die Gründungsphase des Vereins durch einen tragischen Unfall überschattet. So wurde beim Herablassen des alten Maibaumes, was mit Unterstützung der freiwilligen Feuerwehr Seestall erfolgte, der damalige 2. Kommandant Karl-Heinz Reichart so schwer verletzt, dass er trotz schneller ärztlicher Hilfe am 20.04.1978 im Krankenhaus Landsberg seinen Verletzungen erlag. So nah liegen auch im Vereinsleben Freude und Leid beieinander.

Zeitraum 1980 - 2005

Geführt durch engagierte und fachkundige Kommandanten hat sich die freiwillige Feuerwehr Seestall außerordentlich positiv entwickelt. Seit 1990 verfügt die Seestaller Wehr über ein modernes Tragkraftspritzenfahrzeug der Firma Ziegler mit einer Tragspritze TS 8/8. Das Feuerwehrhaus wurde modernisiert und durch einen Umkleideraum erweitert. Durch zielgerichtete und konsequente Ausbildung und Übungen sowohl in den Fachbereichen der Brandbekämpfung wie auch der technischen Hilfeleistung wurde ein hohes Ausbildungs- niveau erreicht und stabilisiert, was regelmäßig durch das erfolgreiche Ablegen von Leistungsprüfungen unter Beweis gestellt wird. Das Anforderungsprofil hat sich seit den Gründerjahren grundlegend geändert. Während in den ersten hundert Jahren ca. 33 Brandeinsätze gezählt wurden, musste die Seestaller Wehr allein in den letzten 10 Jahren 53 mal ausrücken. Allerdings beträgt der Anteil von Brandeinsätzen davon gerade einmal 20 Prozent. Die überwiegende Zahl der Einsätze sind technische Hilfeleistungen im Rahmen von Verkehrsunfällen auf der B17. Unter dem gegenwärtigen Kommandanten Robert Schrott leisten aktuell 37 Männer aktiven Feuerwehrdienst. Mit zusätzlich 7 jugendlichen Feuerwehranwärtern ist für engagierten Nachwuchs gesorgt.

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Gruppenbild der Seestaller Feuerwehr vom Mai 2005

Der Feuerwehrverein hat sich in den 28 Jahren seit seiner Gründung einen festen Platz im Reigen der Seestaller Ortsvereine erobert. Sei es als Mitausrichter des Balles der Vereine oder als Mitorganisator des Dorfbrunnenfestes. Neben diesen gesellschaftlichen Anlässen versteht sich der Feuerwehrverein unter Führung des 1. Vorsitzenden Erwin Schlee in erster Linie als organisatorische Basis für ein gut funktionierendes und gut ausgerüstetes Feuerlöschwesen in Seestall. Mit aktuell 125 Mitgliedern, davon 16 Ehrenmitglieder, wird der Verein durch eine breite Basis in der Bevölkerung legitimiert.


Freiwillige Feuerwehr Seestall

Kommandantentafel

1880 – 1882 Joseph Sailer
1882 – 1912 Andreas Schrott
1912 – 1921 Joseph Sailer
1921 – 1955 Gottfried Schrott
1956 – 1966 Johann Heimer
1966 – 1971 Richard Meichelböck
1971 – 1992 Josef Resch
1992 – 2004 Siegfried Lindner
2004 – 2010 Robert Schrott
seit 2010 Dominik Wiedemann

Vorstände

1880 – 1882 Andreas Fichtl
1882 – 1885 Joseph Sailer
1885 – 1909 Michael Sailer
1909 – 1921 Richard Drappeldrey
1921 – 1939 Johann Heimer
1947 – 1954 Gottfried Schrott
1955 – 1971 Anton Vogel
1971 – 1973 Richard Meichelböck

Vereinsvorstände

1973 – 1977 Joseph Ressle
1977 – 1983 Peter Rambach
1983 – 1998 Hermann Fischer
seit 1998 Erwin Schlee